Die Fotokunst von Ferenc Andor Suba
Eine visuelle Repräsentation der ungarischen Revolution 1956 in der westlichen Presse
20. September 2006
Kulturinstitut der Republik Ungarn in Stuttgart

»Die Begeisterung ist die Freude unseres Herzens! Die Freiheit ist die Hoffnung des Volkes!«
(F. A. Suba)

Ferenc Andor Suba war erst 12 Jahre alt, als er den ersten Fotoapparat von seinen Eltern
geschenkt bekam. Mit 13 gewann er den ersten Jugend-Fotopreis, zwei Jahre später hielt er einen
Vortrag im Gymnasium über die Ästhetik der Fotografie.
Nach dem Abitur studierte er Architektur an der Universität für Wirtschaft und Technik in Budapest.

Er ist hungrig auf Kunst und es folgen vielfältige Studien der bildenden Kunst, trotz großer
Schwierigkeiten, denn die stalinistische Diktatur verbot die »Freie Kunst«. Was Kunst sei, wurde
befohlen. Aufgrund seiner vielseitigen Begabungen machte Suba in kürzester Zeit Karriere als
Grafiker und Foto-Designer. Er gehörte zu einer kleinen Elite von Künstlern, die die von der
sozialistischen Partei vorgegebenen Darstellungstechniken ignorierte und die ungarische Wirtschaft,
sowie die zahlreichen Exportfirmen mit neuartigen Werbeideen und -Produktionen versorgten.
Suba gibt der modernen Werbung neue Impulse und bringt schon sehr früh in seinen Arbeiten
Grafik und Fotografie zusammen.

Der Ausbruch der ungarischen Revolution war mit Unsicherheit und zugleich mit großer Freude
begleitet. Suba war in diesen Tagen in Budapest unterwegs mit seinem Fotoapparat; versteckt
unter dem Mantel fotografierte er die Geschehnisse, soweit es möglich war. Er war Zeuge bei
dem Massaker am Parlament.

Er musste mit ansehen, wie vor seinen Augen Menschen erschossen wurden. Dieses erschütternde
Ereignis war und bleibt, wie er sagt, »in meiner Erinnerung schmerzhaft für alle Zeiten«.

Wenn man seine Bilder jetzt nach 50 Jahren betrachtet, bemerkt man, dass hier nicht ein Fotoreporter,
sondern ein Fotokünstler die Revolution mit der Kamera festgehalten hat. Diese Bilder beinhalten eine
bleibende Erinnerung, die zur ungarischen Geschichte gehört. Sie zeigen die überschwängliche Freude,
die Hoffnung von der stalinistischen Diktatur befreit zu werden. Ferenc Suba mag keine Brutalität,
und er dachte, er könne es vielleicht gar nicht fotografieren, aber die Begeisterung der Revolutionärer
und der Sympathisanten in Budapest hat ihn fasziniert; die Euphorie musste in Bildern eingefangen und
verewigt werden.

Zweimal retteten ihn umstehende Leute vor den Händen der Geheimpolizei. Er machte Bekanntschaft
mit ausländischen Journalisten, die er in der Stadt herumführte. So lernte er auch Rolf Gillhausen vom
STERN und François Tourtet vom PARIS MATCH, sowie noch einige andere Journalisten kennen und
überließ ihnen seine Bilder, damit die Welt sieht und erfährt was in Ungarn passiert.

Kurz darauf erreichen ihn die Warnungen, dass er wegen ausländischer Pressekontakte verhaftet
werden sollte. Er ergreift die Flucht nach Wien. In Wien werden die geflüchteten Intellektuellen,
Wissenschaftler und Künstler mit Unterstützung der Ford- und Rockefeller-Foundation in Hotels
untergebracht.

Ferenc Suba's Freund, der Dirigent Zoltán Rozsnyai gründet mit 120 geflüchteten Musikern die
PHILHARMONIA HUNGARICA und aus den Mitgliedern der Budapester Oper entsteht eine
Ballettgruppe. Für diese Gruppierungen macht Ferenc Suba im Auftrag vom »CONGRESS POUR
LA LIBERTE DE LA CULTURE« (Nicolas Nabakov, damaliger Generalsekretär) die Pressearbeit,
er fotografiert und versendet Texte und Bilder in alle Welt.

Die erfolgreiche Arbeit trägt Früchte, die Künstler bekommen weltweit Angebote und finden dadurch
neue Existenzen. In dieser Zeit entsteht auch ein ungarisches Theater mit Violetta Ferrari,
der ungarischen Schauspielerin, die später Jahrzehnte der Liebling des Berliner Publikums war.

Unter Mitwirkung von Conrad Adenauer findet das »Orchester der Freiheit« (Philharmonia Hungarica)
seine deutsche Heimat in Marl; sie geben Konzerte und musizieren noch Jahrzehnte lang in der ganzen
Welt und verkünden die Freiheit im Namen der ungarischen Revolution 1956.

Danach erhält Ferenc Suba mehrere Angebote: Walther Thompson ruft ihn nach Frankfurt, der Verlag
Readers Digest (DAS BESTE) nach Düsseldorf und die Agentur Constantin Witzgall nach Stuttgart.
Gerade erst seine spätere Ehefrau Edelgard Beurenmeister kennen gelernt, bleibt er in Stuttgart.
Die beliebte Redakteurin des Südwestfunks wurde über 35 Jahre lang  von vielen Politikern als
»die gute Seele« der Stuttgarter Südwestfunk-Redaktion bezeichnet.

Ferenc Suba macht schnell Karriere in Stuttgart. Nach nur 6 Monaten Angestelltenverhältnis machte er
sich selbstständig und arbeitete unter anderem für große amerikanische Agenturen.
Seine Aufträge bestehen hauptsächlich aus Plakat- und Fotoarbeiten für Daimler Benz, Anzeigen für
Shell, er arbeitete für Herrn Stihl, der damals mit seinen Motorsägen startete, gestaltete Anzeigen für
Dual Schallplattenspieler, für Bosch Kühlschränke, Bizerba, fotografierte für die Tapetenzeitung, den
Textilreport und Heimkultur, um hier nur Einige zu nennen. Zu den facettenreichen Aufträgen kam der
von vielen so begehrte Modebereich: Über 30 Auslandsreisen für Bademoden von Kenia bis in die
Karibik mit weltbekannten Namen wie Nina Ricci Paris, Triumph International usw.

Diese Tätigkeit in der Werbung behindert sein künstlerisches Schaffen nicht, ganz im Gegenteil:
Mit seiner Fotokunst verzeichnet er Ausstellungserfolge u. a. in Wien, München, London, Frankfurt,
Stuttgart und seit 1985 mit der von ihm entwickelten Technik der »Neuen Kinetik«.